
Weekly Spread für Anfänger
Deine Woche auf einen Blick
Nach dem Monthly Spread ist die Wochenübersicht wahrscheinlich eine der Seiten, die du in Bullet Journals am häufigsten sehen wirst. Auf Englisch wird sie meistens Weekly Spread, Weekly Log oder einfach Weekly genannt. Gemeint ist damit eigentlich immer dasselbe: eine Übersicht, in der du deine aktuelle Woche organisierst.
Und genau hier passiert bei Anfängern häufig der erste Denkfehler: Man glaubt, eine Wochenübersicht müsse sieben gleich große Kästchen haben, hübsch dekoriert sein und möglichst auf eine Doppelseite passen.
Muss sie nicht.
Ein Weekly Spread soll dir helfen, deine Woche zu überblicken. Wie viel Platz du dafür brauchst und wie du diesen Platz aufteilst, hängt deshalb viel stärker von deinem Alltag ab als von irgendwelchen Bullet-Journal-Regeln.
Brauche ich überhaupt eine Wochenübersicht?
Das ist tatsächlich die erste Frage, die du dir stellen solltest.
Wenn du Termine, Aufgaben und Notizen für einzelne Tage festhalten möchtest, kann ein Weekly unglaublich praktisch sein. Du schlägst dein Bullet Journal auf und siehst sofort, was diese Woche ansteht.
Wenn du dagegen hauptsächlich mit einer Monatsübersicht arbeitest und nur gelegentlich einzelne Aufgaben notierst, brauchst du vielleicht gar kein Weekly. Manche arbeiten lieber mit sogenannten Daily Logs, also einzelnen Tagesseiten, und beginnen einfach jeden Morgen dort, wo sie am Vortag aufgehört haben.
Auch das ist Bullet Journaling.
Du musst also nicht automatisch 52 Wochenübersichten im Jahr zeichnen, nur weil andere das tun.
Wie viel Platz brauche ich für einen Tag?
Das weißt du am Anfang wahrscheinlich noch gar nicht – und das ist völlig normal.
Genau deshalb würde ich bei den ersten Weekly Spreads nicht versuchen, den verfügbaren Platz mathematisch perfekt auf sieben Tage aufzuteilen. Beobachte lieber erst einmal, was du tatsächlich einträgst.
Schreibst du nur Termine wie „14 Uhr Zahnarzt“ und „18 Uhr Essen mit Freunden“ hinein? Dann reicht dir vermutlich eine relativ kleine Tagesbox.
Möchtest du zusätzlich Aufgaben, Erinnerungen, kleine Notizen oder Dinge wie „Paket abholen“, „Müll rausstellen“, „Mama anrufen“ und „Rechnung bezahlen“ festhalten, brauchst du entsprechend mehr Platz.
Und dann gibt es natürlich noch Menschen, die gefühlt ihr halbes Leben in den Dienstag schreiben. 😂
Deshalb darf dein erstes Weekly ruhig ein Experiment sein.
Nach zwei oder drei Wochen wirst du ziemlich schnell merken, ob du ständig leere Flächen übrig hast oder deine Kästchen regelmäßig aus allen Nähten platzen. Danach kannst du dein Layout anpassen.
Müssen alle sieben Tage gleich viel Platz bekommen?
Nein. Und gerade das kann unglaublich praktisch sein.
Wenn deine Wochen beispielsweise von Montag bis Freitag ziemlich voll sind, am Wochenende aber kaum Termine anstehen, ergibt es wenig Sinn, Samstag und Sonntag genauso viel Platz zu geben wie Montag.
Du kannst den fünf Werktagen größere Bereiche geben und das Wochenende kleiner zusammenfassen.
Andersherum funktioniert es natürlich genauso. Wenn unter der Woche hauptsächlich Arbeit angesagt ist und dein eigentliches Leben am Wochenende stattfindet, darf Samstag eben deutlich größer werden.
Dein Bullet Journal muss nicht symmetrisch sein. Es muss funktionieren.
Der klassische Weekly Spread mit Boxen
Eine sehr einfache Variante ist die klassische Wochenübersicht mit einzelnen Boxen.
Dabei bekommt jeder Wochentag einen abgegrenzten Bereich. Ob du diese Bereiche mit kompletten Rahmen zeichnest, nur mit kleinen Überschriften kennzeichnest oder beispielsweise durch Linien voneinander trennst, ist Geschmackssache.
Gerade am Anfang sind Boxen ziemlich angenehm, weil du sofort siehst: Das hier gehört zum Montag, das dort zum Dienstag.
Außerdem kannst du wunderbar ausprobieren, wie viel Platz du tatsächlich brauchst.
Sind deine Boxen am Ende der Woche fast leer, kannst du sie beim nächsten Mal kleiner machen. Quetschst du deine Einträge ständig irgendwo an den Rand, brauchst du größere Bereiche.
Das klingt banal, ist aber eigentlich genau die Art, wie man sein persönliches Bullet-Journal-System entwickelt.
Horizontal – die Woche in Reihen
Bei einem horizontalen Weekly verlaufen die einzelnen Tage eher quer über die Seite.
Du kannst dir beispielsweise vorstellen, dass jeder Tag eine eigene Zeile bekommt. Oben steht Montag, darunter Dienstag, dann Mittwoch und so weiter.
Diese Variante eignet sich besonders gut, wenn du gerne kurze Aufgabenlisten schreibst oder mehrere kleine Einträge untereinander notierst.
Der große Vorteil ist, dass du relativ viel Schreibbreite hast. Du musst deine Einträge also nicht ständig abkürzen, nur weil dein Kästchen zu schmal geworden ist.
Wenn du eher in ganzen Worten oder kleinen Sätzen schreibst, kann ein horizontales Layout deshalb sehr angenehm sein.
Vertikal – die Woche in Spalten
Beim vertikalen Weekly bekommt jeder Tag eher eine eigene Spalte.
Das kann besonders praktisch sein, wenn du deine Woche zeitlich organisierst. Innerhalb einer Spalte kannst du beispielsweise morgens, mittags und abends unterscheiden oder Termine ungefähr dort eintragen, wo sie im Tagesverlauf stattfinden.
Vertikale Layouts erinnern dadurch manchmal ein bisschen an klassische Terminkalender.
Allerdings solltest du bedenken, dass die einzelnen Spalten relativ schmal werden können. Gerade in einem A5 Bullet Journal passen sieben großzügige Spalten nebeneinander nicht unbedingt besonders bequem auf eine Seite.
Du kannst deshalb auch eine Doppelseite verwenden oder die Woche anders verteilen.
Eine Seite oder eine ganze Doppelseite?
Auch hier gibt es kein Richtig oder Falsch.
Ein sogenannter One Page Weekly Spread befindet sich komplett auf einer Seite. Das spart Platz und eignet sich wunderbar, wenn du nicht besonders viele Termine und Aufgaben hast.
Eine Doppelseite bietet dir dagegen deutlich mehr Raum. Du kannst größere Tagesbereiche einplanen und zusätzlich kleine Bereiche für Wochenaufgaben, Notizen oder Erinnerungen ergänzen.
Gerade wenn du dein Bullet Journal gleichzeitig als Kalender und Aufgabenplaner verwendest, ist eine Doppelseite häufig angenehmer.
Aber mehr Platz bedeutet nicht automatisch besser.
Wenn du jeden Sonntag eine riesige Doppelseite vorbereitest und am Freitag feststellst, dass zwei Drittel davon leer geblieben sind, brauchst du wahrscheinlich einfach weniger Platz.
Du kannst deine Woche auch teilen
Eine sehr praktische Möglichkeit ist, nicht alle sieben Tage nebeneinander zu quetschen.
Auf einer Doppelseite kannst du beispielsweise Montag bis Mittwoch auf der linken Seite und Donnerstag bis Sonntag auf der rechten Seite unterbringen.
Oder du verteilst Montag bis Freitag großzügiger und setzt Samstag und Sonntag gemeinsam in einen kleineren Bereich.
Eine weitere Möglichkeit ist eine Mischung aus Tagesbereichen und einer gemeinsamen Aufgabenliste. Dann musst du Aufgaben, die keinen bestimmten Tag haben, nicht irgendwo künstlich beim Mittwoch unterbringen.
Genau dafür eignet sich beispielsweise eine kleine Weekly To-do List.
Dort landet alles, was irgendwann diese Woche erledigt werden soll, aber noch keinen festen Tag bekommen hat.
Muss ich meine Aufgaben einem Tag zuordnen?
Nein – und manchmal solltest du es sogar bewusst nicht tun.
Nehmen wir an, du möchtest diese Woche den Kühlschrank putzen. Eigentlich ist dir vollkommen egal, ob das Dienstag, Donnerstag oder Samstag passiert.
Wenn du die Aufgabe direkt in den Dienstag schreibst und sie dort nicht erledigst, musst du sie verschieben. Dann steht sie am Mittwoch wieder da. Und vielleicht Donnerstag noch einmal.
Herzlichen Glückwunsch, du hast „Kühlschrank putzen“ viermal geschrieben und der Kühlschrank ist immer noch dreckig. 😂
Für solche Dinge ist eine allgemeine Wochenaufgabenliste wesentlich sinnvoller.
Feste Termine gehören zum entsprechenden Tag. Flexible Aufgaben dürfen dagegen einfach in einem gemeinsamen Wochenbereich stehen.
Was kann zusätzlich in ein Weekly?
Wenn noch Platz vorhanden ist, kannst du dein Weekly um kleine Bereiche ergänzen. Häufig sieht man beispielsweise eine Wochen-To-do-Liste, einen kleinen Notizbereich, einen Mini-Habit-Tracker oder einen Bereich für die wichtigsten Aufgaben der Woche.
Manche schreiben auch einen kleinen Wochenfokus hinein oder markieren ihre drei wichtigsten Aufgaben.
Das kann praktisch sein – aber bitte bau nicht fünf zusätzliche Tracker ein, nur weil irgendwo noch eine Ecke frei ist.
Eine freie Fläche ist kein Fehler.
Wenn du einen Bereich drei Wochen hintereinander einzeichnest und nie benutzt, ist das eigentlich eine ziemlich eindeutige Nachricht deines Bullet Journals: Du brauchst ihn nicht.
Dann darf er beim nächsten Weekly einfach verschwinden.
Und was ist mit Dekoration?
Hier darfst du dich austoben – musst du aber nicht.
Ein Weekly kann aus sieben Überschriften und ein paar schwarzen Linien bestehen und trotzdem perfekt funktionieren.
Du kannst natürlich genauso gut mit Washi Tape, Stickern, Doodles, Brushpens, Stempeln oder kleinen Illustrationen arbeiten. Gerade Wochenübersichten eignen sich wunderbar, um unterschiedliche Gestaltungen auszuprobieren, weil du schon wenige Tage später eine komplett neue Seite gestalten kannst.
Ich würde nur darauf achten, zuerst den Platz einzuplanen, den du wirklich zum Schreiben brauchst.
Denn ein wunderschöner riesiger Blumenstrauß mitten auf der Seite ist zwar toll – bis du am Donnerstag feststellst, dass dein Zahnarzttermin jetzt irgendwo zwischen zwei Blütenblätter gequetscht werden muss. 😅
Erst Funktion, dann Deko funktioniert beim Weekly meistens ziemlich gut.
Muss ich mein Weekly vorher komplett vorbereiten?
Auch das musst du nicht.
Du kannst am Wochenende bereits die komplette kommende Woche gestalten. Das ist praktisch, wenn du gerne vorausplanst und vielleicht sogar Spaß daran hast, dir sonntags bewusst Zeit für dein Bullet Journal zu nehmen.
Du kannst deine Wochenübersicht aber genauso gut sehr schlicht vorbereiten und später ergänzen.
Gerade als Anfänger würde ich nicht unbedingt mehrere Wochen im Voraus zeichnen. Du weißt schließlich noch gar nicht, ob dir dein aktuelles Layout gefällt.
Wenn du vier Wochen vorbereitet hast und nach drei Tagen merkst, dass deine Tagesboxen viel zu klein sind, hast du anschließend noch drei weitere Wochen mit einem Layout vor dir, das dich nervt.
Deshalb: ausprobieren, benutzen, verändern.
Was ist denn nun das beste Weekly Layout?
Das, bei dem du nach einer Woche denkst: Ja, damit kam ich gut zurecht.
Nicht das hübscheste. Nicht das aufwendigste. Und auch nicht das Layout mit den meisten Trackern.
Vielleicht brauchst du sieben große Boxen auf einer kompletten Doppelseite. Vielleicht reichen dir sieben kleine Zeilen auf einer einzigen Seite. Vielleicht möchtest du Termine nach Tagen sortieren, Aufgaben aber lieber in einer gemeinsamen Liste sammeln.
Und vielleicht stellst du irgendwann fest, dass du überhaupt keine Wochenübersicht brauchst.
All das ist vollkommen in Ordnung.
Gerade am Anfang würde ich verschiedene Varianten ausprobieren: einmal horizontal, einmal vertikal, einmal mit Boxen, einmal ganz ohne Rahmen und vielleicht einmal besonders minimalistisch.
Nach einigen Wochen wirst du ziemlich deutlich merken, was dir fehlt und was du ständig leer lässt.
Und genau daraus entsteht irgendwann dein Weekly Spread.
Nicht, weil dir jemand gesagt hat, wie ein Bullet Journal auszusehen hat – sondern weil du herausgefunden hast, wie deine Woche darin am besten funktioniert.